Stephanie Dann Burnout-Prävention
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Presse
Rüsselsheimer Echo, Februar 2004

"Ich kann so nicht arbeiten"

von Madeleine Reckmann

Der EDV-Experte von Mitte dreißig hat gerade in seiner Softwareentwicklungsfirma gekündigt. "Ich brauche einfach eine Auszeit", erklärt er. Die Kriterien Kosten, Zeit und Qualität, mit denen jedes Quäntchen seiner Arbeit gemessen wurde, haben ihn erdrückt. "Körperliche Beschwerden", erklärt er, "etliche Burn-Out-Symptome." Der gleichaltrige Mann aus der Werbebranche wünschte sich zeitweise einen Arbeitsunfall herbei, damit er endlich einen allseits akzeptierten Grund habe, nichts mehr erklären zu müssen. "Wir zahlen einen hohen Preis", sagt die Unternehmensberaterin, "14 bis 16 Arbeitsstunden täglich und mehrmals wöchentlich in unterschiedlichen Hotels." Das kann man nicht einfach abstreifen.

Fünf gut ausgebildete, junge Menschen sitzen an diesem Samstag in dem kleinen Seminarraum in Königstädtens Rehpfad 17 und lassen sich von Seminarleiterin Stephanie Dann über das Burn-Out-Syndrom aufklären. "Wir haben alle gute Chancen auszubrennen", sagt sie und meint damit weite Teile der Bevölkerung. Komplexere Aufgaben am Arbeitsplatz, die in immer kürzerer Zeit zu bewältigen sind, Angst vor sozialem Abstieg und Arbeitslosigkeit, Ärger mit dem Chef oder mit den Kollegen, solchen Druck bekommen fast alle zu spüren und er nimmt zu. "Jeder möchte nur noch das eigene Hemd retten", erläutert Dann die allgemeine Stimmung. Auf der Strecke bleiben Wohlempfinden, innere Harmonie und Gesundheit.

Stephanie Dann, 34, hat ihre Konsequenzen gezogen. Als Diplom-Kauffrau machte sie eigene Erfahrungen mit chronischem Stress und Burnout. Auch sie kündigte eine gute Stelle und beschäftigt sich seitdem aus fachlicher Sicht mit dem Phänomen. Heute ist sie als psychologische Beraterin für Burnout-Prävention tätig, leitet in Rüsselsheim, aber auch in Wiesbaden und Frankfurt Workshops für Menschen mit beruflichen Belastungen. Ziel ist die Sensibilisierung für die Frühsignale. Die Betroffenen verlieren den Kontakt zu sich selbst. Stephanie Dann möchte das Problem "sprechbar" machen. Denn Stressphänomene werden viel zu lange ignoriert, verschwiegen oder belächelt. Stress hat ja schließlich jeder, da braucht man sich doch nicht so anstellen. Da es zu wenig Spezialisten zum Thema gibt, bleiben die Patienten ratlos und alleine zurück. Die Scham ist groß, wenn man plötzlich nicht mehr funktioniereng kann.

Stephanie Dann bricht Tabus und leistet Bewusstseinsarbeit - bevor der Gang zum Therapeuten ansteht. "Ich möchte Burnout als normales Berufsrisiko etablieren", sagt sie, "und viel Leid und Kosten einsparen." Denn Burnout ist teuer, für die Unternehmen, deren Mitarbeiter nur noch eingeschränkt leistungsfähig sind und für die Krankenkassen, die die Behandlung zahlen. Die Diplom-Kauffrau rechnet die betriebswirtschaftlichen Verluste vor: Sinkende Produktivität, mangelnde Qualität, hoher Krankenstand. Es liegt also im Interesse der Unternehmen, für Zufriedenheit und Wohlbefinden zu sorgen.

"Häufig fehlt das Menschsein und Mitmenschsein im Job", erläutert Stephanie Dann. Mit ihren Kunden erarbeitet sie Gegen-Strategien. Den Job einfach hinzuschmeißen, ist selten möglich. Aber die Arbeitsbedingungen und die innere Einstellung lassen sich bestimmen: sich im Unternehmen verändern, sich vom eigenen Perfektionismus verabschieden oder sich klarmachen, dass man selbst nicht unzulänglich ist. Vielleicht hilft auch schon Kontakt zu Betroffenen, mit denen man den Frust und Ärger mal rauslassen kann. "Ich habe einfach mal mit dem Chef geredet, der hatte mehr Verständnis als ich dachte", erzählt der EDV-Experte. Der Werbemann möchte in Zukunft auch mal ein Scheitern zulassen. Ihm ist klar geworden, dass er näher am Burnout dran war, als er dachte.

Wenn Körper und Seele leiden

Laut einer Schweizer Studie hat die Zahl der Pensionierungen aus psychosomatischen Gründen zwischen 1987 und 1992 um 66 Prozent zugenommen. Die Kosten für psychiatrische Behandlungen stieg seit 1994 um 50 Prozent, und der Verkauf von Antidepressiva um 160 Prozent. Mit häufigen Erkältungskrankheiten, Verdauungsproblemen und Rückenschmerzen macht sich der Stress zuerst bemerkbar. Mit Erschöpfung, Nervosität, Kopfschmerzen, Depressionen kann es weiter gehen. Die Art der Krankheit entspricht individuellen körperlichen Schwächen. mar

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